Allgemein

Ein paar Worte zu unseren neusten Stoffen

Wir haben uns Eure Kritik zu unseren neusten Stoffen sehr zu Herzen genommen, denn lillestoff ist ein Unternehmen, dass sehr genau hinschaut und hinhört was die Kunden wollen. Und genau aus diesem Grund sind die vier Stoffe entstanden.

Unsere amerikanische Community hat uns ausdrücklich darum gebeten und unsere Designer hatten bereits daran skizziert, denn die Ereignisse in der letzten Woche haben uns alle bewegt. Es wäre uns nicht in den Sinn gekommen zu sagen „Ihr seid alle zu weiß, dafür brauchen wir eine BIPOC Designerin!“. Und es liegt doch in unserer Verantwortung an jeder Stelle der Gesellschaft Rassismus mit zu dekonstruieren.

Rassismus ist kein plötzliches Phänomen, aber auch, wenn wir aktuell keine BIPOCS in unserem Unternehmen mehr beschäftigt haben, spielte die Hautfarbe, Kultur oder Religion unserer Mitarbeiter noch nie eine Rolle. Und viele unserer Kollegen bis in die Geschäftsführungsebene sind bereits mit rassistischen Äußerungen konfrontiert worden. Dass unsere Geschäftsführung aus der Türkei stammt, wissen sicherlich nur wenige von Euch, denn es ist im Prinzip auch nicht relevant.

Wir haben uns in der Vergangenheit immer wieder Themen gewidmet und soziale Projekte unterstützt, die uns beschäftigen. So gab es bereits Stoffdesigns wie „Playground“, „Breeze of Summer“ und „allezusammen“.

Allezusammen war ein Kundenwunsch und auch ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt. Denn Menschen mit Behinderung finden in unserer Gesellschaft nur wenig Beachtung, werden diskriminiert und trotz des Rechts auf Inklusion nicht als vollwertiger Teil unserer Gesellschaft betrachtet.

Wir hatten damals Bauchschmerzen vor den Reaktionen zu diesem Stoffdesign, aber es hagelte Jubelrufe. Gekauft wurde der Stoff dann trotzdem kaum und brachte kaum Spendenerlöse ein.

Seitdem haben wir beschlossen lieber Erlösunabhängig zu spenden.

Anfang des Jahres, als Australien brannte und uns die Bilder von Buschfeuern und verbrannten Tieren Tränen in die Augen trieben, lehnten wir die Designs dazu ab. Einfach weil wir nicht wussten wie die Reaktionen sein werden. Gespendet haben wir trotzdem.

Dann kam Corona und das Maskenthema. Lange haben wir gehadert Maskendesigns zu entwerfen. Aber die Entwürfe unserer Designer waren einfach zu toll, um sie ins Leere laufen zu lassen. Was dann folgte, damit hätten wir niemals gerechnet.

In unserem Unternehmen arbeiten viele Eltern. Eltern, die in den vergangenen Wochen der familiären Mehrfachbelastung zum Trotz Überstunden geleistet haben, in der Spätschicht gearbeitet haben, auch an den Wochenenden bis in den späten Abend Pakete gepackt und Kundenmails beantwortet haben. Drei Wochen lang gab es keine neuen Stoffe, um alle Rückstände schnellstmöglich aufzuarbeiten.

Als wir dann vergangene Woche unsere Stoffe zum Thema „Black Lives Matter“ angeteasert haben, waren wir positiv gestimmt. Denn wir fanden alle vier Designs gut und hofften, dass wir so einen kleinen Beitrag leisten können, um zu sagen „Wir sehen Euch“ und das gängige Problem von Rassismus und Diskriminierung sichtbar zu machen.

Dass unsere Designer plötzlich zu weiß sind und in Designs plötzlich „Baströckchen“ und „weiße Könige“ reininterpretiert werden würden, das hat uns sprachlos gemacht.

Wir haben am Donnerstag noch bis in den späten Abend diskutiert wie wir weitermachen. Zunächst einmal wollten wir die Designs erst gar nicht mehr rausbringen. Aber die Resonanz unserer amerikanischen Communitiy war immerhin durchweg positiv und man freute sich sehr auf die Designs. Und es steckte auch viel Herz und Arbeit unserer Designer drin.

Dass wir einen Teil des Erlöses spenden würden, stand außer Frage. Wir wollten es aber nicht am Verkauf der Stoffe festmachen, denn die Vergangenheit hatte uns bereits gezeigt, dass es nicht gerade von Vorteil für die Spendenaktion sein könnte.

Und wir sollten auch diesmal mit unserem Gefühl Recht behalten.

Wir haben alle Beiträge deaktiviert, da wir auch nur Menschen sind. Menschen, für die das Ganze nicht bloß irgendein Job ist. Da steckt viel Herzblut drin. Wer uns kennt, weiß das und auch, dass wir uns Kundenwünsche und Kritik stets zu Herzen nehmen. Manchmal zu sehr.

Wir machen nach unserem Arbeitstag nicht bloß den Rechner aus und widmen uns privaten Dingen. Es beschäftigt uns bis tief in die Nacht und manchmal sitzen wir auch bis nachts da, weil es richtig wütende Kommentare hagelt. Worte, die sich wie Ohrfeigen anfühlen. Worte, auf die man nicht immer direkt eine Antwort hat.

Auch als Unternehmen ist man keine Plattform für Beleidigungen oder Beschimpfungen.